12., 13., 14. und 15. Mai
Noch eine letzte Runde über den geliebten Platz am Boya Lake und dann ging es früh zurück auf den Cassiar Highway. Klar, dass die schwarzen Gesellen auch schon wieder am rumstromern waren :)
Unser erstes Ziel war Watson Lake, wo wir die Vorräte auffüllten und im Sign Posts Forest nach Kurts Nummernschild schauen wollten, welches wir vor vier Jahren dort aufgehängt hatten. An zahlreichen Holzmasten haben Besucher aus aller Welt Wegweiser, Autokennzeichen, Orts- und andere Schilder genagelt. Der heimwehkranke Soldat Carl K. Lindley aus Illinois, hat während der Bauarbeiten am Alaska Highway mit einem Schild seines Heimatortes den Anstoß zu dieser Sammlung gegeben. Mittlerweile ist die bunte Schildersammlung auf über 74.000 angewachsen. Ein durchaus spannender "Wald" ist da im Laufe der Jahre entstanden. Das HU-Kennzeichen haben wir wieder gefunden und Kurt hat es um ein Schild des Fanclubs "Eagles around the world" ergänzt.
Weiter ging es auf dem Alaska Highway und dann auf dem Klondike Highway in Richtung Skagway / Alaska. Die Berge wurden höher und oben am White Pass war plötzlich dicker Winter mit viel Schnee und Minustemperaturen. Dort oben sind auch die beiden Grenzstationen. Die kanadische interessierte sich nicht für uns, auf die amerikanische waren wir aber gespannt. Das "Spielchen" beim Grenzübertritt via Land kannten wir ja schon vom letzten Mal: Zunächst Befragung im Fahrzeug sitzend: "Have you been to Africa during the last 5 years? Have you been to the Middle East? Any alcohol on board? Fruits, Vegetables? Weapons?"
Nachdem wir alle Fragen offensichtlich zu seiner Zufriedenheit beantworten konnten, war die Anweisung, den Truck abzustellen und ins Haus zu kommen. Dort nahmen wir interessiert zur Kenntnis, das DT nicht an der Wand hing, nur der Chef der Homeland Security. Der Kollege war ganz nett, ließ uns die Einreisekarten ausfüllen, reichte Kurt noch einen Korb mit Leihbrillen, weil er seine im Truck vergessen hatte und entließ uns mit der Nachricht "Today we don ´t charge". Das kannten wir vom letzten Mal noch anders. Da war die Antwort auf den Hinweis, dass wir ja bereits die teuren ESTA-Gebühren bezahlt hätten nur: "They are valid if you come via air or sea not via land".
Na ja, vielleicht war an diesem Nachmittag die Kasse kaputt???
Allein die Anfahrt und Skagways tolle Lage am Taiya Inlet des langgestreckten Fjords Lynn Canal und Skagway River unter hochaufragenden Bergen, machen diese Fahrt zu einem Erlebnis. Komisch waren nur die Campgrounds in Skagway. Da das ehemalige Goldgräberstädtchen vom täglichen Einfall der Kreuzfahrertouristen lebt, rangieren die Camper, ganz unüblich für die USA, unter ferner liefen: Null Service und sehr teuer. Wir haben uns den annehmbarsten Platz ausgesucht und uns auf in die "Zivilisation" gemacht. Skagway ist ein ganz hübsches, wenn auch natürlich sehr touristisches Städtchen. In der Hauptsaison laufen täglich 4-5 riesige Kreuzfahrtpötte den kleinen Ort an, jetzt war es nur eines täglich. Gegen Abend müssen aber alle zurück an Bord und das Städtchen gehört den Einheimischen und den wenigen Campern ;)
Wir haben es uns im Bonanza Saloon gemütlich gemacht: "Good Food and good Drinks".
Für den nächsten Tag hatten wir uns den Vormittag fürs Shoppen eingerichtet. Es gibt ganz nette Lädchen in Skagway und in der Wildnis davon eher wenig. So sind wir also den Broadway (heißt wirklich so) entlang gelaufen und haben ein paar Einkäufe gemacht. Die Kreuzfahrer des Tages waren natürlich auch unterwegs und in ihrer Mehrheit unschwer als amerikanische Rentner zu erkennen. Vor dem EIngang zu einem Restaurant erlebten wir dann einen der amerikanischen Herren beim "trumpen" (neues Verb). Er fragte einen jungen, optisch nach Indianer aussehenden Angestellten, ob das Lokal Free Wi-Fi habe. Als dieser verneinte, blaffte er ihn an, dass sie nur die Leute abzocken und nichts dafür anbieten würden. Den Einwand, dass Wifi hier sehr teuer sei, ließ er überhaupt nicht gelten. Die Art und Weise und der Tonfall des Herren waren für amerikanische Verhältnisse schon bemerkenswert.Der Herr steckte in engen kurzen Shorts und einem Sportshirt, was sicher 2 Nummern zu klein war und seinen Oberkörper straff umspannte. Dazu die amerikanische Baseballcap und das Bewusstsein, zur größten und besten Nation zu gehören. So stellt man sich den typischen Trumpisten vor (Achtung: Vorurteil!!!).
Am Nachmittag haben wir uns dann für eine Fahrt mit der White-Pass-Railway entschieden. Mit Panorama-Wagen ging es steil den Pass hinauf. Hier hinüber mussten die Goldgräber mit ihrer ganzen Ausrüstung. Kein Wunder, dass so viele dabei ums Leben kamen. Oben wurden die Plätze gewechselt und die Bänke in die andere Richtung gekippt und dann ging es wieder hinunter. So kam jeder in den Genuss der guten Aussicht.
Am nächsten Tag sind wir noch ein bisschen durch Skagway gelaufen, waren auch noch im Red Onion, dem ehemaligen Bordell des Goldgräberstädtchens
und um 13 Uhr ging es auf die Fähre in Richtung Haines. Dort an Bord trafen wir dann einen bekennenden Trumpisten. Er outete sich mit einer Cap auf der hinten "Trump" und vorne "Make America Great Again" stand. Witzig, dass sich sogar die Bordcrew darüber lustig zu machen schien.
Eine Stunde ging es durch den Fjord hinüber und drüben wartete dann der Haines Highway durch den Chilkat State Park. Während der Lachssaison treffen sich hier Bären und Weißkopfseeadler in großen Mengen zum Festmahl am Fluß. Davon haben wir jetzt zwar nichts gesehen, aber die Landschaft ist wundervoll und speziell der Mittelabschnitt um den Chilkat Pass fasziniert durch sein herrliches Panorama über eine weite baumlose Hochebene.
Beim Grenzübertritt nach Kanada befragte uns ein sehr netter Grenzer, der uns sogar auf Deutsch begrüßte. Den interessierte nicht ob wir im Mittleren Osten waren, sondern ob wir Feuerholz an Bord hätten. Als wir das bejahten, wollte er, dass wir umdrehen, zurück in die USA fahren und das Holz dort ablegen sollten. Als Kurt ihm sagte, dass es aber kanadisches Feuerholz sei, welches wir nur reimportieren, sagte er zunächst, dass das auch nicht erlaubt sei, drückte dann aber ein Auge zu und ließ uns mit dem Holz an Bord unserer Wege ziehen. Auf die Frage warum das so streng sei, erklärte er dann aber noch, dass die Amerikaner irgendeinen Holzkäfer hätten, den sie in Kanada nicht haben wollten, da sie ja schließlich der größte Holzexporteur weltweit seien. Das haben wir natürlich eingesehen - an diesem biologischen Wirtschaftskrieg wollen wir nicht beteiligt sein.
Auf dem weiteren Weg sahen wir dann doch noch einen Balded Eagle (Weißkopfseeadler) auf einem Baum am Seeufer. Majestätische Vögel - immer wieder ehrfürchtiges Staunen vor so viel Schönheit.
Leider waren die schönen State Campgrounds alle noch geschlossen und so verbrachten wir diese Nacht auf einem Provisorium an einer Tankstelle in Haines Junction.
Heute morgen ging es dann weiter in den Kluane National Park. Im Visitor Centre von Haines Junction hatte man uns noch am Morgen wenig Hoffungen gemacht, dass die nationalen Campgrounds geöffnet seien. Die Nächte sind noch zu kalt und sie haben wohl Angst wegen der Wasseranschlüsse. Es gebe aber genug Plätze wo man sich auch so einfach hinstellen könne, wenn man sich traue. Dazu muss man sagen, dass der Kluane-Nationalpark für seine Grizzlybären-Population bekannt ist.
Zunächst trafen wir aber einen weitern Schwarzbären, ein stattliches Exemplar, der sich überhaupt nicht stören ließ und ein prima Fotomodel abgab.
Am Südende des Kluane Lake kamen wir zum Tacha Dhal (Sheep Mountain) Visitor Centre des Kluane National Park. Das Center ist noch geschlossen aber von dort konnten wir Dallschafe auf einem Berg beobachten. Die Sonne schien warm und auch sonst war das Gelände des Centers wunderbar. Kein schlechter Ort zum Campen aber es war noch zu früh und so fuhren wir weiter.
Der Versuch einen der Trails zu gehen, endete im Schnee und der erste Campground war tatsächlich noch geschlossen. Wir sahen uns schon irgendwo auf einem Parkplatz übernachten aber dann kam die Abfahrt zum Congdon Creek Yukon Government Campground und da hing kein CLOSED-Schild. So fuhren wir also runter, fanden die Schranke offen und kamen auf einen wunderschönen, menschenleeren Platz direkt am Kluane Lake. Ein Traum!!
Wir sind erstmal ein bisschen gelaufen, haben die Sonne und die Landschaft genossen und jetzt hat Kurt das hier kosten- und garantiert käferfreie kanadische Holz für das abendliche Feuer gehackt, ein amerikanisches Wohnmobil hat auch noch irgendwo in der Nähe eingecheckt und wir freuen uns wieder zurück in der Wildnis zu sein. Die Grizzlies dürfen gerne auch kommen, solange sie vor dem Camper bleiben.



















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