18., 19. und 20 Mai
Um es kurz zu machen: Anchorage ist eine Versorgungsstation wie viele hier im Norden, nur größer. Es gibt eine Menge Geschäfte, die bekannten Lebensmittel- und Foodketten und eine relativ überschaubare Innenstadt mit vielen Souvenirläden, einem Hard Rock Café und einer großen Mall mit ziemlich exklusiven Geschäften. Anchorage ist interessant wegen seiner Umgebung und um sich zu vernünftigen Preisen mit Lebensmitteln einzudecken, ansonsten muss man hier nicht hin.
Immerhin haben wir aber das Gegenprogramm zu unserer Verortung als Seniors erlebt. Beim Bestellen eines Biers wurden wir nach dem Ausweis gefragt *lach*. Später bekamen wir heraus, dass es Alaska-Law ist, weil es hier oben so viele Probleme mit Alkohol gibt, was man in Anchorage auch auf den Straßen beobachten kann. Jeder muss sich also ausweisen, der Alkohol kaufen möchte.
Nach unserem Einkauf fuhren wir weiter in Richtung Denali National Park. Die Strecke führt an fischreichen Flüssen vorbei. Überall gibt es Angebote für Angler. In der Lachssaison muss hier die Hölle los sein. Auf Empfehlung der "Alaska-Bibel", wie die Milepost auch genannt wird, haben wir uns in Houston/Alaska noch das angeblich beste amerikanische Softeis gegönnt. Sehr lecker, allerdings war das Wetter zu kalt und die Portion sehr amerikanisch = zu groß!
Zur Milepost: In diesem jährlich erscheinenden Roadatlas ist alles verzeichnet. Jedes größere Schlagloch, jedes Tierbeobachtungsgebiet, jede Tankstelle, jeder Rastplatz und viele Sehenswürdigkeiten am Rand. Man liest es während der Fahrt und ist so immer auf dem Laufenden die Strecke betreffend.
Übernachtet haben wir auf einem kleinen Campingplatz in diesem Fischgebiet. Es regnete und wir bangten ein wenig ob des Wetters für die nächsten Tage im Denali.
Auch am nächsten Morgen war es regnerisch und wir machten uns auf den letzten Streckenabschnitt in Richtung Denali. Hier oben fallen die sehr provisorisch anmutenden Behausungen auf. Nichts scheint stabil gebaut zu sein. Grund dafür ist der Permafrostboden, der nur unter dem hohem Aufwand einer kostenaufwändigen Gründung ein stabiles Bauen erlaubt. Für normale Leute ist das nicht leistbar und so wirkt hier alles leichtbaumäßig.
Das Wetter wurde immer besser und als wir im Denali ankamen, wurde der Himmel klarer, die Sonne kam heraus und die Wolken verzogen sich immer mehr. Der Nationalpark eröffnet offiziell erst morgen und es ist noch verhältnismäßig leer hier, obschon deutlich belebter als auf unserer bisherigen Route, Skagway einmal ausgenommen. Einem ratlosen älteren Schweizer Ehepaar mit einem vergleichbaren Truckcamper konnten wir helfen. Der Mann war aus diesem Grund zu uns gekommen, sagte, er könne nur wenig Englisch und war sehr erleichtet, als wir ihm auf Deutsch antworteten. Er bekam die Heizung nicht mehr in Gang und seine Frau fror seit mehreren Abenden. Keine Ahnung warum - sie funktionierte ganz normal und die Beiden waren sehr erleichtert.
Wir brauchten noch ein frisches Brot und wurden dafür im Laden des Parks um 9 Dollar erleichtert - stolze Preise !
Der Campground am Eingang des Parks ist noch ziemlich leer und wir suchten uns ein schönes Plätzchen aus. Heute ist ein kleiner Teil des Parks noch für das Auto frei gegeben, ab morgen dann nur noch per Shuttlebus. Also buchten wir für morgen 7.00 Uhr den Shuttlebus und fuhren heute noch ein Stückchen auf eigene Faust in den Park hinein. Und tatsächlich, schon nach kurzem entdeckten wir ein Moose (Elch) im Gebüsch. Auf dem Foto kaum zu erkennen aber wir haben dem scheuen Geschöpf in die Augen geblickt. Nach ein paar Caribous haben wir im Camper die Nudeln in den Topf geworfen und uns auf den folgenden Tag vorbereitet.
Der Wecker klingelte um 5.30 Uhr, Kaffee, Tee und Eier kochen, Rucksack packen. Im Park gibt es wegen der Bären keinerlei Verpflegung. 15 Minuten zum Visitorcenter und um 7.00 Uhr Abfahrt mit Wendy. Es sollte ein toller Tag werden. Es war kalt am Morgen und es ging hoch hinauf, also hatten wir uns im Mehrlagen-Look sehr dick eingepackt. Die Sonne schien aber schon bald, der Himmel war blau mit ein paar Schäfchenwolken - es war herrlich. Wendy war ein toller Tierspotter und so sahen wir jede Menge Caribous, den Nationalvogel von Alaska, wilde Dull-Schafe und Adler. Unser großer Wunsch war es, heute mal einen Grizzly zu sehen und, was soll ich sagen: wir sahen 4 Grizzlies, darunter eine Mama-Bärin mit ihren zwei kleinen Bärenjungen. Das war wunderschön.
Der höchste Berg Nordamerikas, der Mount McKinley ist die eigentliche Attraktion des Parks (6194 Meter). Unter Präsident Obama wurde ihm sein ursprünglicher, indianischer Name wieder gegeben: Mount Denali, der Große, der Einzigartige. Wie beim Tafelberg in Kapstadt kann es passieren, dass er über Tage von einer Wolkenmütze bedeckt ist und man ihn überhaupt nicht zu Gesicht bekommt. Auch da hatten wir Glück und bekamen diesen wunderschönen Berg zu sehen - ein Traum !
Wendy erzählte uns, dass sie durch ihre Mum auch zur Hälfte Deutsche sei. Ihr Dad hätte immer gesagt: "Do whatever you like" und die deutsche Mum: "No, do it strictly like that". Hmmm, Dads Erziehungsstil klingt sympathischer als der deutsche :(
Sie hat uns auch noch einige Geschichten zu Begegnungen mit Bären hier im Park mit auf den Weg gegeben und es gibt hier im Denali wohl tatsächlich wenig Probleme weil die Parkverwaltung sehr streng ist. Die Bären kommen im Idealfall überhaupt nicht mit menschlichen Nahrungsmitteln u.a. In Berührung. Als einer der Bären mal den Rucksack einer Touristin mit Schokolade und Cola "erbeutete" und auf den Geschmack gekommen war, wurde er gefährlich und wurde in komplett menschenleeres Gebiet úmgesiedelt.
Morgen werden wir uns auch auf ein paar Trails machen und nehmen keine Schokolade mit ;)










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