5. und 6. Mai 2017

Das komische Gefühl vor einem Langstreckenflug, regelmäßig von der Vorstellung verursacht, über Stunden in engen Sitzreihen eingepfercht zu sein, von Schmerzen wegen der unbequemen Sitzhaltung geplagt, kam dieses Mal nicht auf. Zu verlockend die Verheißung - Business Class wartete auf uns und das verhieß ausreichend Platz um die Beine nicht nur auszustrecken, nein sogar richtiges Liegen in der Vertikalen sollte möglich sein. Kurt hatte für diesen Komfort eifrig Meilen gesammelt und so gestalteten sich die Reisevorbereitungen dieses Mal bei bester Laune und stressfrei.
Beinahe, denn am Donnerstagabend wären Frankfurt und mit ihm sein Flughafen beinahe abgesoffen. Starkregen verursachte stundenlange Staus in und um Frankfurt und 130 abgesagte Flüge. Dennis und Kurt waren fürs Einchecken der Koffer sehr sehr lange unterwegs und wir waren froh, dass der große Regen sich nicht den Freitag ausgesucht hatte.
Da war alles wieder normal und Jürgen konnte uns in Normalzeit zum Flughafen fahren. Nachdem wir wirklich sehr strenge Sicherheitskontrollen durchlaufen und uns in der Business-Lounge gestärkt hatten, ging es an Bord der Lufthansa und gleich scharf links hinein in den Business-Bereich. Das war dann wirklich toll, super bequem und die Stunden vergingen buchstäblich wie im Fluge.
Auf diese Weise könnte man auch noch längere Flüge problemlos überstehen.
Der ein oder andere Gedanke ging an die Reisenden weiter hinten im Flugzeug mit den engen Sitzreihen, aber zugegebenermaßen nur kurz.
Nach 9,5 Stunden landeten wir in Vancouver, die Einreisekontrollen gingen Ratz Fatz (Noch was wo die USA von ihrem Nachbarn lernen könnten) und eine Stunde später waren wir schon in unserem Hotel in Downtown Vancouver, nicht weit von der English Bay. Wir sind noch ein bisschen am Meer entlang gelaufen, haben die Sonne genossen, uns von der kleinen Fähre nach Grenville Island übersetzen lassen und haben die wunderschöne Silhouette Vancouvers auf uns wirken lassen.
Am nächsten Morgen wurden wir schon um  8.00 Uhr vom Shuttlebus der Vermietungsstation Fraserway abgeholt. Zusammen mit einem anderen deutschen Ehepaar aus Mainz-Mombach waren wir dadurch sehr früh in der Station und und konnten unseren nagelneuen Ford F450 Superduty in schwarz übernehmen. Eine glänzende Schönheit - Black Beauty!


Die EInweisung übernahm ein älterer Herr in einem Deutsch, welches sehr stark durch einen amerikanischen Akzent gefärbt war. Im Laufe des Gesprächs stellte er uns einige Rätselfragen: "Was glauben Sie woher ich komme?" Wir tippten richtig: "Deutschland". "Was glauben Sie, wie lange ich schon in Canada lebe"? Wir lagen wieder richtig: "Sehr lange". Es stellte sich dann heraus, dass er als Kind vor 60 Jahren mit seinen Eltern aus Norddeutschland nach Canada ausgewandert war. "Und ich habe es keinen einzigen Tag bereut". Dann sagte er etwas, was uns angesichts der deutschen Debatten um Leitkultur und doppelte Staatsbürgerschaft aufhorchen ließ: "Aber wissen Sie, trotzdem bin ich immer Deutscher geblieben. Einmal Deutscher, immer Deutscher". Vermutlich geht man in Canada mit dieser Tatsache einfach ein wenig entspannter um ...

Und dann ging es los auf die erste Etappe Richtung Norden. Der Nairn Falls Provincial Park sollte unser erstes Ziel sein. In Richtung Whistler grüßten uns bei herrlichem Sonnenschein die schneebedeckten Berge. Eigenartig fanden wir die vielen Fotografen und Kameraleute am Straßenrand, die ihre Kameras auf die Straße gerichtet hatten. "Finden sie unseren Black Beauty auch so schön wie wir" fragten wir uns belustigt, bis wir feststellten, dass ein Treffen von Sportwagen-Fahrern in der Region stattfand und hinter uns unzählige Lamborghinis, Ferraris, Porsches etc. die Straße entlang dröhnten :)
Leider hatte der Campground im Provincial Park noch geschlossen, aber wir wurden ganz in der Nähe im Owl Creek Campground fündig und so sitzen wir jetzt am reißenden Wasser des Owl Creek, das Feuer flackert und wir freuen uns auf die erste Nacht im gemütlichsten Truckcamper, der auf Canadas Straßen zu finden ist.



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